Forderung nach einer neuen Medienkultur

 

Der Film „Blut muss fließen“ – Undercover unter Nazis über die Rechtsrockszene in Deutschland und Europa ist ein gutes Beispiel für den reduzierten Umgang mit politischen und gesellschaftlich-relevanten Stoffen innerhalb der öffentlich-rechtlichen Medienstrukturen in Deutschland: Es gelang nicht, für diese Produktion einen Sender zu finden und in Folge dessen waren auch die Türen für eine Filmförderung verschlossen.

Als der Film dann nach fast fünf Jahren Produktionszeit und allen Schwierigkeiten zum Trotz auf die Berlinale 2012 eingeladen worden war, mußte eine Übernahme der Kosten für die Festivalkopie (20.000 Euro) hart erkämpft werden. Die Filmförderung Baden-Württemberg wollte nur ein Darlehen bereitstellen.

Nach der Berlinale folgten dann noch andere Festivals, auf denen der Film gezeigt wurde, auch außerhalb Deutschlands. Bei der weiteren Tilgung der aufgelaufenen Produktionsschulden (fast 200.000 Euro zu Zeiten der Berlinale) waren wir trotzdem auf uns alleine gestellt.

Doch das über FilmFaktum initiierte Angebot von Aktionstagen fand schnell Anklang und so begann am 10. April 2012 die Tour des Films mit einer Auftaktveranstaltung in Weimar. Seitdem haben viele Aktionstage mit Filmvorführungen stattgefunden, bei denen der Autor des Films, Peter Ohlendorf, für Diskussion und Gespräch anwesend ist. Die Filmtour dauert bis heute an, bislang wurden rund 1.500 Vorführungen realisiert mit weit mehr als 100.000 Zuschauer_innen.

Die finanzielle Situation hat sich aufgrund dieses Erfolgs deutlich entspannt, gegen Ende 2014 waren die letzten Produktionsschulden (s.o.) abgegolten. Eine positive Gesamtbilanz kann nun nach über acht Jahren Arbeit an und mit diesem Film gezogen werden, auch ohne Ausstrahlung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Doch es bleibt die Forderung: Es muss sich etwas ändern an den Förderstrukturen im Dokumentarfilmbereich. Gerade dann sind freie, unabhängige Produktionen zu unterstützen, wenn sie sich relevanten, unbequemen Themen widmen, die von den quotenorientierten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nicht koproduziert werden.